HV 1200

Die Geschichte des Bildes

wird in einem Zeitungsartikel sehr anschaulich von dem Maler selbst erzählt. Den Bericht aus dem Jahr 1936 fanden wir im Archiv des Heimatverein Saerbeck.
Der damals über 80jährigeHerr Wesselmann besuchte eine Veranstaltung des Heimatverein Saerbeck im Jahr 1936 in der Gaststätte Winter.

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Gaststätte Winter /Foto Heimatverein Saerbeck

gescannter Zeitungsartikel kl

 
Bordewick kl  

Herr Bordewick  Foto HV Saerbeck

Zeitungsartikel  aus dem Archiv Heimatverein Saerbeck

Er überreichte ein Geschenk dem Vereinsführer Bordewick  und wurde dann gebeten etwas über das Bild zu erzählen:

Er erzählte u.a. folgendes:
„ Vor über 50 Jahren, es war im Jahre 1882, arbeitete ich in Münster an der Ausmahlung des Domes, als ich wegen Gerüstumbau 14 Tage feiern musste, besuchte ich meinen Freund den Malermeister und Gastwirt Pröbsting in Greven.
Mit ihm hatte ich schon früher zusammengearbeitet. Ihm kam ich wie gerufen. Pröbsting wusste dass ich sonntags viel aufs Land hinausging und für mich malte. Er bat mich ihm ein Bild von Saerbeck zu malen, das er in seinen Gastraum hängen wollte.
In seinem Gasthause verkehrten nämlich die Saerbecker  Schlachter, Eier und Butterhändler Fuhrleute und Bauern, die Ware nach Münster brachten. Fast alle Saerbecker die nach Münster mussten, kehrten bei Pröbsting ein und machten eine kurze Rast am Herdfeuer, wo der alte Großvater Pröbsting sie dann mit einem „Kümpken Knabbeln“ oder mit einem „halven (Korn) bewirtete. Um die enge Verbundenheit mit den Saerbeckern zu unterstreichen und vor allem zur Kundenwerbung, wollte Pröbsting nun ein Bild von Saerbeck haben. Ich bin dann losgezogen und habe in den  14 Tagen das Bild gemalt.
Es wurde in feierlicher Weise vor dem „Bosen“ über dem Herdfeuer aufgehängt und soll Pröbsting manchen Saerbecker Gast ins Haus geführt haben. Ich freue mich ganz besonders dass dieses Bild nun in so gute Hände gekommen ist und erhalten bleibt und dass ich nun den Saerbeckern selbst eine Freude gemacht habe.“

Altepost kl Vereinsführer Bordewick dankte Wesselmann im Namen aller Vereinsmitglieder über seine Schilderung über die Entstehung des Bildes und das er vor 53 Jahren ein Gemälde von dem alten Saerbeck geschaffen habe, dass einzig in seiner Art sei und den heutigen und späteren Generationen zeige wie das alte Saerbeck einmal ausgesehen habe. Vereinsmitglied Altepost erzählte anschließend wie er nach mehrjährigen Bemühungen das Bild für den Heimatverein erwerben konnte.

Kunstmaler Josef Wesselmann brachte noch in kurzen Worten seine Freude zum Ausdruck über das rege Interesse, dass er bei den Mitgliedern des Heimatvereins Saerbeck für die Heimatforschung und Heimatpflege feststellen konnte. Er erzählte von seiner Arbeit im Heimatverein Ibbenbüren. Vereinsführer Bordewick schloss die anregende Veranstaltung, die allen Teilnehmern ein Erlebnis geworden war und die sie noch lange in Erinnerung behalten werden.

Herr Altepost /Foto Heimatverein Saerbeck

 aus einem Zeitungsausschnitt vom 22.3.1936 ( Text erfasst J.Zepp 2.12.2014) gesamter Text als PDF

 weitere Recherchen:

Die Spur des Bildes führte also nach Greven. Was lag näher als den Heimatverein Greven zu fragen wo es diese Gastwirtschaft Pröbsting gegeben hat. Im Dezember 2014 ging eine Email an den Heimatverein Greven, die auch prompt von Herrn Runde kompetent beantwortet wurde:

Die Gaststätte Pröbsting war früher auf der Marktstrasse und ganz in der Nähe wohnt heute noch der Enkel Herr Michael Pröbsting Inhaber des gleichnamigen Badstudios.
Er erzählte, dass sein Großvater die Gaststätte seines Wissens nach bis 1936 betrieben und sie dann aus wirtschaftlichen Gründen abgegeben hat. Bis 1957 wurde diese Gaststätte dann von Familie Leifert geführt.

Gaststätte Pröbsting oberhalb der "Barkenstiege"

Bilder mit freundlicher Genehmigung des Heimatverein Greven

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Das Bild

 

Bild total kl zum Vergrößern drauf klicken
Das Gemälde / Foto Heimatverein Saerbeck

ist das älteste uns bekannte Saerbecker Ölgemälde.
Es zeigt auf der linken Seite die ehemalige Gaststätte Unkel ( Wollenhöfer),in der Mitte das denkmalgeschützte Haus der Familie Dyckhoff, das früher eine Drogerie und zum Kirchplatz auch eine Gaststätte beherbergte. In dem Gebäude rechts war früher die Gaststätte zur Post ( Brinkmann / Hilbert) und auch die Poststelle untergebracht.
Im Hintergrund über dem Anwesen Dyckhoff ist die St. Georg Kirche zu sehen.
Hier fällt sofort etwas  Ungewohntes auf:
Der Kirchturm hat auf diesem Bild noch ein Satteldach. Dies lässt sich auch historisch belegen.
Anfang des 16. Jahrhunderts wurde  die Kirche im spätgotischen Stil gebaut, als diese  baufällig wurde, wurde sie abgerissen und 1896–1898 durch die heutige Kirche ersetzt.
Das Bild lässt sich durch eine Signatur auf das Jahr 1882 datieren, also vor dem Neubau mit dem spitzen Turm.

Der Maler  ist auch aus der Signatur erkennbar: Josef Wesselmann.

Signatur kl

Signatur Josef Wesselmann / Foto Heimatverein Saerbeck

Über den Maler ist nur die Herkunft  Ibbenbüren / Laggenbeck bekannt.

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Die Restaurierung

Pressebericht der WN von Sa.,den 7.10.2017

Restaurator Johannes Holtmann legt den alten Glanz des Saerbecker Ur-Gemäldes wieder frei. Die Patina deckt manches Rätsel zu

Restaurator Johannes Holtmann

Foto Hans Lüttmann

Johannes Holtmann ist ein gefragter Könner seines Fachs, den das Königshaus schon mal nach Stockholm ruft, dem man bedenkenlosmillionenschwere Kunstwerke anvertraut oder, wie jetzt, die älteste Saerbecker Dorfansicht. ---Von Hans Lüttmann

 Saerbeck -

Weißbrot? Zwiebeln? Rohe Kartoffeln? Warum dann nicht gleich zu „Ata“ greifen oder Meister Proper rufen? Um Himmels willen – nein! Aber wer in Heimwerkermagazinen blättert oder Google fragt, wie man alte Gemälde selber reinigt und restauriert, der kriegt so krude Tricks empfohlen und obendrein den Hinweis, dass eine Kartoffel-, Weißbrot- oder Zwiebelreinigung meist schon ausreicht, um das Ölbild wieder zu beleben.

Nur gut, dass im Heimatverein niemand vorgeschlagen hat, dem Saerbecker Ur-Gemälde so eine Murkserei anzutun. Da war der Gang zum Profi-Restaurator die absolut richtige Wahl, auch wenn der erheblich teurer ist als abwegige Lebensmittelkuren.

In seiner Werkstatt in Münster erklärt er Jürgen Zepp und Josef Berkemeier vom Heimatverein zunächst die Schäden des Bildes, zeigt Verfärbungen, Wölbungen, Craquelés und Spuren stümperhafter Reinigungsversuche. Und erstaunt die Besucher: darüber, dass er nicht Öl-, sondern Wasserfarbe und Kreide zum Ausbessern nimmt, dass bei Rissen in der Leinwand die Fäden unterm Mikroskop zusammengeklebt werden mit Fischleim aus der Blase des Beluga-Störs, und dass er nichts hinzufügt, das sich nicht belegen lässt: „Selbst wenn Sie ein Foto aus der Zeit hätten, würde ich es nicht machen.“

Noch viel überraschender sind die Rätsel unter der Patina, die Johannes Holtmann behutsam entfernt. Und da staunt sogar Josef Berkemeier, der das Bild schon wer weiß wie oft angesehen hat: Wieso steht mitten im Bild der Schustermeister Terre, der links einen Stiefel und rechts eine Pfeife in der Hand hält? Was stand auf dem Giebel des kleinen Gebäudes links? Was wurde auf dem Haus rechts mit einem dicken schwarzen Balken übermalt? Was hat es mit den großen Sandsteinen mitten im Dorf auf sich?

Lauter Fragen, die dazu auffordern, sich das Bild nach erfolgter Restauration noch einmal genauer anzusehen. 70 bis 80 Arbeitsstunden wird der Restaurator brauchen, und der Heimatverein überlegt schon jetzt, wie das Bild anschließend präsentiert wird. „Es kriegt natürlich wieder seinen angestammten Platz im Heimathaus“, sagt Jürgen Zepp, „aber wir sollten ein Erklärschild daneben heften, vielleicht mit einem QR-Code, der auf ausführlichere Informationen verweist.“ Diese Bildergeschichte bleibt spannend – und hat mehr als tausend Worte.

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Ein Bild und seine 135-jährige Geschichte

Pressebericht der WN von Mo., 18.09.2017

Ein Bild und seine 135-jährige Geschichte: Saerbecker Ur-Gemälde wird restauriert Endlich in guten Händen

Restaurator Johannes Holtmann, Harald Schütz, Jürgen Zepp, Martin Wenners (alle drei für den Heimatverein) und André Dolle (von links) mit dem 135 Jahre alten Gemälde, das nun restauriert wird. Foto: Heimatverein

Holtmann

Foto Heimatverein Saerbeck

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