Heimatverein Saerbeck · Dorfrundgang in der Dämmerung
Spökenkiekergeschichten
und Kuriositäten in Saerbeck – 14 Stationen zwischen Brennerei, Heckebaum und Kirchplatz
Liebe Besucherinnen und Besucher,
Spökenkieker nannte man im Münsterland Menschen mit dem „zweiten Gesicht“: Sie sahen Leichenzüge, bevor jemand starb. Solche Geschichten wurden in Saerbeck über Generationen weitererzählt – vom Zimmermann, der die Särge im Voraus zimmerte, vom Teufel an der Brücke, vom Fluch, der über hundert Jahre auf einem Hof lag. Dazu kommen Kuriositäten, über die man im Dorf bis heute schmunzelt. Der Rundgang führt zu den Orten, an denen sie spielen – am schönsten in der Dämmerung. Zu jeder Station gibt es einen Podcast zum Anhören.
Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende.
Start und Ziel: das Heimathaus des Heimatvereins, Grevener Straße 8 – gleich vor der alten Brennerei.
Navigation zum Heimathaus- 1 · Dahlmöllers Garten
- 2 · Backs Bänd
- 3 · Das Vorgesicht
- 4 · Lehmanns Jopp
- 5 · Kreuz im Heckebaum
- 6 · Mann aus dem Jenseits
- 7 · Von Geisterhand
- 8 · Pferdefuß des Teufels
- 9 · Fluch vom Münninghoff
- 10 · Hilfe vom Hellseher
- 11 · Hochzeitsknochen
- 12 · Die Schulvisite
- 13 · Das alte Beinhaus
- 14 · Grenzsteinfrevel
Station 1 · Dahlmöllers GartenDie geisterhafte Gestalt aus Dahlmöllers Garten

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Nach der schweren Corona-Zeit, die im März 2020 begann und über 2 Jahre andauerte, kam das gesellschaftliche Leben in 2023 wieder richtig in Schwung.
Es muss daher an einem Freitagabend im Spätherbst 2023 gewesen sein, als , als ich mit einer Grundchulgruppe eine Nachtwanderung durch unser Dorf wieder durchführen konnte.
Von der Lindenstraße kommend führte ich die Grundschulklassen über den alten schmalen Kirchweg auf die Brennerei zu, Als wir dort im Hinterhof ankamen, ließ ich die Gruppe „Halt“ machen, um hier von der Plage der Wanderratten zu berichten:
Vor 75 Jahren war das Dorf noch sehr landwirtschaftlich geprägt. Es gab und gibt noch heute den großen Bauernhof Dahlmann. Es gab aber auch an der Lindenstraße, Ecke Kolpingstraße einen großen Landhandel und hier die Brennerei Dahlmöller, bei der im Herbst die Bauern ihre Kartoffeln für die Schweinemast dämpfen ließen.
Die Erntezeit im August war dann nachts immer die schlimmste Zeit für die Dorfbewohner. Vom Kirmesplatz / Busbahnhof kamen dann dunkle Schatten des Weges: Wanderratten!
Sie liefen in großen Scharen, wie eine wackelnde, schwarze Welle. Wer sie sah, bekam Angst. Die Ratten knabberten an Kartoffeln, Körnern und sogar an Holz. Die Erwachsenen sagten: „Ratten stehlen unser Essen und machen krank.“
Darum schlossen abends alle die Türen fest zu, um den Ratten keine Chance zum Eindringen in Häuser und Scheunen zu geben. Und die Kinder lauschten mit klopfendem Herzen und stellten sich vor, wie die Ratten draußen vorbeiziehen …
Daraufhin bekamen die ersten Kinder Angst und fingen an zu schreien.
Sofort mahnte ich zur Nachtruhe, aber die aufgeregten Kinder ließen sich nicht so schnell beruhen. Dann zeigte ein Junge in die Straße und rief in dem Durcheinander: Dahinten steht ein Geistergestalt einer Frau mit Nachhemd und Barfuss, die langen grauen Haare wehten im Wind. Sie gestikulierte und wollte uns wohl offensichtlich vertreiben. Wir ergriffen die Flucht und liefen zur gut beleuchten Grevener Straße und hatte damit erfogreich den Geist hinter uns gelassen.
Am anderen Morgen erzählte Frau Quandt ganz aufgeregt in der Bäckerei Liesenkötter: „Da war doch gestern eine grölende Kinderschar hinter unserem Haus unterwegs. Ich konnte gar nicht weiterschlafen, bin aus dem Bett gesprungen und habe den deutlich gemacht, dass sie sich verdünnisieren sollten. Das hat auch sofort geklappt.
Daraufhin antwortete der schlagfertige Bäcker: „Wer die passende Ausstrahlung hat, kann auch was erreichen.“ worauf hin die übrigen Kunden herzhaft lachten.
Weiter zu Station 2 · Backs Bänd
Nur ein paar Schritte weiter: Wir verlassen den Blick in die beiden Gassen und gehen hinauf auf die kleine Anhöhe. Von dort sehen wir auf ein Haus mit Garten – mit Gartenmauer und Gartentor.
Station 2 · Backs BändBacks Bänd, der Münchhausen von Saerbeck

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Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts betrieben fast alle Familien des Dorfes auch eine kleine Landwirtschaft, um sich weitgehend selbst zu versorgen. Wir, Familie Maimann, hatten immer eine Ziege und ein Schwein im Stall. Zu unserem bäuerlichen Kleinstbetrieb gehörte zudem eine Ackerfläche von 1,5 Morgen, auf der wir immer jeweils zur Hälfte Roggen und Kartoffeln anbauten.
Unsere Ackerfläche hatte bereits unser Opa, der noch Tagelöhner und Hollandgänger war, gekauft. Die Fläche lag jedoch nicht auf dem Esch, sondern in der Flöthe-Niederung, die sich durch den sandigen Boden auszeichnete und zudem bei starkem längeren Regen im Oberflächenwasser zu versinken drohte.
So mussten die Gräben, die um die Ackerfläche gezogen worden waren, ständig gepflegt werden.
Für das Reinigen des Grabens bestellte mein Vater Backs Bänd. An dem Tag, als besagter Tagelöhner den Auftrag ausführte, schickten mich meine Eltern zu unserem Acker, um nach dem Rechten zu sehen. Da ich erst neun Jahre alt war, muss es folglich 1934 gewesen sein.
Als ich an unserem Stück Land im Felde ankam, hatte der Tagelöhner schon etliche Meter gereinigt und schickte sich gerade an, eine Rast einzulegen.
Nachdem er sein Schwarzbrot mit Speck gegessen und einen Kaffee getrunken hatte, fing er an zu erzählen. Folgende Geschichte, die Backs Bänd zum Besten gab, ist mir bis heute in Erinnerung geblieben:
„Während des ersten Weltkrieges wurde ich an der Ostfront eingesetzt. So lernte ich auch den russischen Winter kennen. Und Väterchen Frost meinte es nicht gut mit uns. Es war bitterkalt.
Kriege sind keine schöne Sache. Immer muss man wissen, was der Gegner als Nächstes vorhat. Da konnte man auf das Wetter keine Rücksicht nehmen. So wurde ich trotz Dauerfrost auf einen Hochsitz geschickt, um nach dem Feind Ausschau zu halten. Doch die Kälte ließ mich schnell müde werden und ich schlief ein. Durch ein dumpfes Geräusch schreckte ich auf und war sofort wieder hellwach. Ich musste feststellen, dass mein Gewehr vom Hochsitz gefallen war.
Ratlos schaute ich nach unten in den Schnee. Ich durfte meinen Posten nicht verlassen, brauchte aber meine Waffe wieder. In meiner Not kam mir der rettende Einfall. Ich pinkelte vom Hochsitz so gezielt herunter, dass ich das Gewehr traf. Da es ja so bitter kalt war, gefror der Urin sofort zu einer Stange und ich konnte das Gewehr daran wieder nach oben ziehen.“
Beeindruckt kam ich nach Hause. Die Geschichte hatte meine Fantasie derart angeregt, dass ich den „Kriegsbericht“ von Backs Bänd meinem älteren Bruder Heini weitererzählte.
Als Heini merkte, dass ich die Geschichte für bare Münze genommen hatte, fing er lauthals an zu lachen und meinte: „Ach Alfred, da bist du doch tatsächlich dem Münchhausen von Saerbeck begegnet.“
Erzählt von Alfred Maimann (19.12.2017)
Weiter zu Station 3 · Das Vorgesicht
Wir gehen über den Fußweg in Richtung Lindenstraße, überqueren diese zwischen den Häusern Lindenstraße 3 und Lindenstraße 5 (bei Loheide) und steuern auf den Busbahnhof zu, dort, wo früher die Genossenschaft stand.
Station 3 · Das VorgesichtDas Vorgesicht

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Vor 150 Jahren schauten die Saerbecker besorgt auf Ferdinand Konermann. Er war ein hiesiger Zimmermann, der auch Särge für die Toten anfertigte. Er besaß eine besondere Fähigkeit, die damals zu düsteren Gerüchten führte.
Ferdinand Konermann war Zimmermann. Er wohnte mit seiner Familie im Dorf und hatte auch dort seine eigene Werkstatt. Als Fachmann für die Verarbeitung von Holz baute er nicht nur Dachstühle für Häuser, sondern zimmerte auch Särge für die Toten.
Ferdinand besaß eine seltene Gabe, auf die er weder stolz war noch mit der er glücklich sein konnte. Er konnte bereits Tage vorhersehen, wer in der Dorfgemeinschaft als Nächstes sterben würde. Immer dann, wenn wieder ein trauriges Ereignis bevorstand, fing er an, den passenden Sarg zu zimmern und bestellte bei seinem Nachbarn, dem Schmied Fritz Berkemeier, rechtzeitig die passenden Sargnägel.
Die Leute, die davon hörten, machten sich ihren eigenen Reim darauf. Schnell hieß es, dass es in der Zimmerei von Konermann spuken würde. Immer dann, wenn jemand aus der Dorfgemeinschaft sterben musste, begännen bestimmte, in der Zimmerei gelagerte Eichenholzbretter zu knacken und zu ächzen. Das Knacken und Ächzen würde erst dann aufhören, wenn Ferdinand Konermann sie aus dem Stapel Holz herausgezogen und zu einem Sarg verarbeitet hätte.
Weiter zu Station 4 · Lehmanns Jopp
Auf der Kolpingstraße wenden wir uns in Richtung Ibbenbürener Straße und gelangen in die schöne Aue des Bussmannsbaches, der hier von den Leuten als Heckebaum bezeichnet wird.
Station 4 · Lehmanns JoppErst am Wegekreuz endete die Verfolgung vom Schwarzen Hund

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Meine Frau Luzzy kam aus Schmedehausen . Wir besuchte ihr Elternhaus regelmäßig.
Im Winter fuhren wir mit dem Opel Kapitän dort hin, aber im Sommer auch gerne mit dem Fahrrad.
Wenn wir dann abends durch die Heide zurück nach Saerbeck radelten, hatten wir wiederholt den Eindruck, dass uns ein schwarzen Hund verfolgte.
Schon in Kroner Heide lief er hinter uns her und war auch noch da, wenn wir anschließend Nordhues Heide durchquerten, nicht offensichtlich und auch immer im gebührenden Abstand. Doch wir konnten in immer wieder spüren, wie er aus der Deckung hinter Ginster und Wacholder uns beobachtete. Es war wirklich unheimlich.
Erst als wir an der Westladbergener Straße an Pröbstings Bild vorbeikamen und uns bekreuzigten, ließ er von uns ab und verschwand zurück in der Heide zurück.
Erzählt von Lehmanns Jopp
Weiter zu Station 5 · Kreuz im Heckebaum
Wir folgen dem Weg im Heckebaum und überqueren den Bussmannsbach
Station 5 · Kreuz im HeckebaumDas Kreuz im Heckebaum

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Wenn Sie heute am Heckebaum entlanggehen, entdecken Sie in einer alten Hainbuchenhecke ein unscheinbares steinernes Kreuz. Fast bis zum Querbalken ist es im Boden versunken, Moos bedeckt seine Oberfläche. Wer achtlos vorbeigeht, ahnt kaum, dass sich hinter diesem Stein eine bewegende Geschichte verbirgt.
Über Generationen wurde erzählt, es handele sich um ein altes Sühnekreuz. Solche Kreuze erinnern oft an Gewaltverbrechen oder tragische Todesfälle. Doch die Geschichte dieses Kreuzes ist eine andere.
Der Überlieferung nach wurde das Kreuz im Jahr 1801 zum Gedenken an den sechsjährigen Joseph Elbersgerd errichtet. Der Junge soll hier auf tragische Weise ums Leben gekommen sein. Damals stellten Kinder ihre Spielzeuge oft selbst her. Besonders beliebt waren kleine Flöten, die man aus frischen Zweigen von Weiden oder Ebereschen schnitzte. Im Münsterland nannte man sie „Floitepiepen“.
Die Sage berichtet, dass Joseph an einer solchen Floitepiepe spielte, als sich das Mundstück löste und ihm in den Hals rutschte. Der Junge erstickte. Ob sich der Unfall genau so ereignet hat, wird sich heute wohl nicht mehr feststellen lassen. Doch im Saerbecker Totenregister findet sich tatsächlich der Eintrag: „Elbersgerd, Joseph, sechs Jahre alt, gestorben im Jahre des Herrn 1801.“ Damit ist zumindest belegt, dass der Junge gelebt hat und in jenem Jahr verstarb.
Wie so oft blieb es nicht bei den historischen Fakten. Im Laufe der Zeit rankten sich weitere Geschichten um das Kreuz und die dichte Hainbuchenhecke.
Eine ältere Saerbeckerin erinnerte sich daran, dass der Heckebaum früher auf dem Kirchweg mehrerer Familien lag. Die Eltern gingen bereits zur Frühmesse, während die Kinder später allein zum Hochamt nachkommen mussten. Damit die Mädchen auch wirklich pünktlich zur Kirche gingen, erzählte man ihnen eine unheimliche Geschichte.
Wer unterwegs trödelte oder nicht ordentlich gekleidet war, müsse aufpassen. Aus der Hecke am Kreuz könne plötzlich eine Hand hervorkommen und denjenigen packen. Besonders die jungen Mädchen, die sonntags Röcke und Kniestrümpfe trugen, hörten solche Warnungen mit klopfendem Herzen.
Ob die Kinder diese Geschichte glaubten? Vermutlich schon. Denn ein altes, moosbewachsenes Kreuz in einer dichten Hecke war genau der richtige Ort für geheimnisvolle Erzählungen.
So verbindet das Kreuz im Heckebaum bis heute zwei Geschichten miteinander: die Erinnerung an einen tragisch verstorbenen Jungen und die Sagenwelt vergangener Generationen. Es ist damit mehr als nur ein alter Stein. Es ist ein stiller Zeuge der Saerbecker Ortsgeschichte und der Erinnerungen der Menschen, die hier gelebt haben.
Weiter zu Station 6 · Mann aus dem Jenseits
Weiter zur Ibbenbürener Straße 18–20. Dort nicht an der Straße stehen bleiben, sondern einige Meter abseits gehen, bis direkt vor die Schreinerei – ins Dunkle, weg vom Licht der Straßenlampen und vom Verkehrslärm.
Station 6 · Mann aus dem JenseitsDer Mann aus dem Jenseits

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Der Wagenbauer Dütsch wohnte vor über 100 Jahren in einem kleinen Haus nahe dem Dorf an der Ibbenbürener Straße. Eines Nachts wurde er wach, weil jemand laut gegen sein Schlafzimmerfenster pochte. Ärgerlich stand er auf, um den Ruhestörer zurechtzuweisen. Als er öffnete, sah er eine dunkle Gestalt, die sich nur unscharf gegen den finsteren Nachthimmel abhob. Bevor er lospoltern konnte, sprach der Fremde ihn an: „Beten Sie für mich! Ich bin eine arme Seele, die keine Ruhe finden kann und furchtbar gepeinigt wird. Beten Sie für mich!” Der nun hellwache Stellmacher glaubte dem Fremden jedoch nicht so recht. „Ich habe keine Beweise, dass Sie nicht nur ein Lümmel sind, der mich reinlegen will. Also …”
„Bringen Sie mir ein weißes Tuch!“, unterbrach ihn der Fremde. Herr Dütsch holte eines seiner Schnupftücher. Der Fremde legte seine Hand darauf und sogleich war sie darauf eingebrannt. Jetzt war der aus dem Schlaf Gerissene überzeugt, dass jener aus dem Jenseits gekommen war. Noch heute soll die Familie das Tuch mit der eingebrannten Hand in einer alten Bibel aufbewahren.
Weiter zu Station 7 · Von Geisterhand
Nun gehen wir durch die Overwehrsiedlung in Richtung evangelische Kirche, ehemals Schmiede Wenners.
Station 7 · Von GeisterhandDie von Geisterhand erschlagene Frau

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Wenn Menschen isoliert von anderen leben, neigen sie leicht dazu, abergläubisch zu werden. So war es auch im alten Saerbeck. Viele Bewohner sahen übernatürliche Phänomene oder Geisterspuk in vielen Dingen. Die nachfolgende Geschichte soll aber auch Mahnung für die Kindern sein, nicht zu fluchen.
Ein Mann fuhr einmal seine Waren über den Brochterbecker Damm nach Ibbenbüren. Leicht zogen die Pferde den Wagen die steile Anhöhe im Teutoburger Wald hinauf. Doch als er auf dem Rückweg wieder den Teuto überqueren wollte, blieben die Pferde mitten auf dem Weg stehen und waren durch keine Macht der Welt zu bewegen, weiterzulaufen. Der Bauer fluchte und schimpfte, er bat und schrie, aber der Wagen blieb stehen. Er hatte den Wagen zu sehr beladen. Die Pferde waren am Ende ihrer Kräfte, doch er wollte seinen Fehler nicht eingestehen.
Da kam ein alter Mann vorbei und sagte: „Ich kann euch wohl helfen. Ihr müsst mit einer Axt kräftig auf die Deichsel schlagen.“ Der Bauer dachte nach. „Versuche es ruhig.“ Und tatsächlich, sobald er es getan hatte, konnte er seine Fahrt fortsetzen. Aufgeschreckt und verängstigt trabten die Pferde wieder los und zogen die schwere Last den Berg hinauf. Nachdem die Bergkuppe erreicht war, konnte er ohne weiteren Zwischenfall nach Hause fahren. Als er dort ankam, berichteten ihm die aufgeregten Leute, die ihm entgegenkamen, dass seine Frau in seiner Abwesenheit tot zusammengebrochen sei. Auf ihrer Stirn hatte sich eine Wunde gezeigt, als wäre sie von einem Axthieb getroffen worden. Als der Bauer fragte, wann das geschehen sei, erfuhr er, dass das Unglück in dem Moment passiert war, als er vor die Deichsel seines Wagens geschlagen hatte.
Weiter zu Station 8 · Pferdefuß des Teufels
Von dort aus überqueren wir die Ferrierestraße um in die Marktstraße zu wechseln.
Station 8 · Pferdefuß des TeufelsDer Pferdefuß des Teufels auf der Hühnerbrücke

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Vor langer Zeit kam ein alter Handwerksmeister auf der Suche nach Arbeit ins Dorf. Krumm, auf einen Wanderstab gestützt, schritt er langsam des Weges und zog dabei ein Bein sichtbar nach. Da es jedoch Winter war und der betagte Mann einen langen Mantel trug, der fast bis zum Boden reichte, konnte man nicht erkennen, welches Leiden ihn so sehr beeinträchtigte.
Indessen waren die Dorfbewohner damit beschäftigt, die Brücke über den Bussmannsbach zu reparieren. Das letzte Hochwasser hatte das Bauwerk aus Holz stark beschädigt, sodass es drohte, zusammenzubrechen. Um die Brücke zu retten, werkelten die Dorfbewohner an einer neuen Unterkonstruktion, deren Arbeiten nicht ungefährlich waren.
Nachdem der alte Meister das Treiben der Saerbecker eine Zeitlang kopfschüttelnd beobachtet hatte, räusperte er sich und sprach dann: „Ihr Bewohner von Saerbeck, warum quält ihr euch mit der Brücke aus Holz? Gebt mir den Auftrag, und ich werde euch eine Brücke aus Stein errichten, die künftigen Wassermassen trotzen kann. Da ich schon vom Alter gezeichnet bin, erbitte ich als Lohn von euch, dass derjenige aus eurer Mitte, der in voller Manneskraft steht und als erstes mit seiner Liebsten die Brücke überquert, in meine Gefolgschaft eintritt und erst in das Dorf zurückkehrt, wenn ich selbst nicht mehr bin.”
Die Saerbecker erbaten sich eine siebentägige Bedenkzeit. „Dies sei euch gewährt”, entgegnete der Alte und verschwand.
Pünktlich, nachdem die Bedenkzeit verstrichen war, tauchte der Meister wieder auf. Da es in den letzten Tagen durchgehend geregnet hatte, war der Brückenbau ins Stocken geraten. Die ratlosen Saerbecker wussten nicht, wie sie handeln sollten. Da trat Dahms Anton vor, der als gescheit galt und sein Wort wohl zu machen wusste: „Ihr sollt euren Lohn schon bekommen, aber die Brücke muss in sieben Tagen fertig werden.”
Verschmitzt entgegnete der alte Meister: „So soll es geschehen.” Schon machte er sich ans Werk. Die ersten mit schweren Sandsteinen beladenen Wagen aus Ibbenbüren trafen noch am selben Tag ein. Das Bauwerk wuchs in atemberaubendem Tempo, sodass die Saerbecker Angst bekamen und bereits der Überzeugung waren, dass alles nicht mit rechten Dingen zugehen würde.
Pünktlich nach sieben Tagen Bauzeit war die neue, schöne Brücke aus Stein fertig. Da sprach der Meister zu den aufgeregten Saerbeckern: „Ich habe Wort gehalten. Nun ist es an euch, auch Wort zu halten.” Alle Augen richteten sich auf Dahms Anton. Der entgegnete ruhig und besonnen: „Nur Geduld, ich werde dafür sorgen, dass die Schuld beglichen wird.” Dann wandte er sich seinem Bauernhaus zu, und die Leute sahen ihm verwundert nach, bis er in der Strohscheune verschwand. Sein Ziel war der Hühnerstall, den er nun öffnete.
Der Hahn trat stolz aus dem Gehege. Ihm folgten seine Hühner. Gemeinsam marschierten sie schnurstracks über die Brücke, um auf der anderen Seite Futter zu suchen.
Vom Hof her rief Dahms Anton dabei dem Meister zu: „Da hast du deinen Gesellen. Sieh nur, wie männlich und stolz er daherkommt, und nicht nur eine Geliebte in seinem Gefolge.” Da erkannte der Teufel, dass er überlistet worden war und tobte vor Wut. Dabei ließ er seinen Mantel fallen und alle erkannten, dass es der Teufel mit dem Pferdefuß war, auf den sie sich eingelassen hatten. Schon lief er zum Dahlmann-Hof und sprang dort auf die Mauer, die den Hof umgab, um sich von dort auf Dahms Anton zu stürzen.
Doch Bauer Dahlmann hatte in weiser Voraussicht den Geistlichen einbestellt. Als der Pastor nun sah, was der Teufel vorhatte, rief er diesem entgegen: „Der Hof steht unter dem Schutz des heiligen Sankt Josef, des ersten Handwerkers des Herrn und Manns der Mutter Gottes.”
Da erkannte der Teufel, dass er hier nichts mehr ausrichten konnte und verschwand. Einzig den Hufabdruck auf der Mauer ließ er zurück.
An den Hufabdruck in der Mauer kann sich Toni Adrian noch heute (2024) erinnern, weil sie ihn leibhaftig gesehen hat, obwohl die Mauer schon vor über 50 Jahren abgerissen wurde.
Ob es den Stein mit dem Hufabdruck noch auf dem Hof Dahlmann gibt, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden.
Die Brücke indes heißt seit jenem denkwürdigen Tag im Volksmund „De Hohnerbrügge”, was auf Hochdeutsch „die Hühnerbrücke” bedeutet, auch wenn die alte Steinbrücke schon seit langer Zeit durch eine moderne Brücke aus Stahlbeton ersetzt wurde.
Weiter zu Station 9 · Fluch vom Münninghoff
Das nächste Ziel erreichen wir am besten über die Marienstraße
Station 9 · Fluch vom MünninghoffDer Fluch vom Münninghoff

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Das 1889 errichtete Marienbild steht unverändert an der Ecke Marienstraße/Ferrières-Straße (früher Teichstraße). Die Marienstraße ist nach diesem Bildstock benannt.
Es handelt sich um eine Madonnenstatue aus Sandstein, auf hohem Sockel mit Gebets-inschrift, in ihrer Darstellungsweise typisch für das Ende des 19. Jahrhunderts. Eine gekrönte Marienfigur hält den Jesusknaben auf dem rechten Arm; mit der linken Hand schützt sie ihn. Das faltenreiche Gewand ist in klassizistischer Tradition plastisch-elegant ausgearbeitet.
Die vom 31. Mai 1889 datierende Sockelinschrift in der Mitte lautet: „O meine Herrin, o meine Mutter, ich weihe mich dir ganz, erinnere mich, dass ich dein bin, behüte und vertheidige mich als dein Gut und Eigenthum” / „10 Tage Ablaß Pius X”
Erbauen ließ den Bildstock der aus Münster stammende Carl Boner, einst zwei Jahre lang (1873 bis 1875) Amtmann in Saerbeck. Der bereits seit 1873 mit einer Saerbeckerin verheiratete, auch als Pensionär noch wohlhabende Bürger wollte damit sein gerade neu erworbenes Eigentum unter den besonderen Schutz der heiligen Maria stellen. Übernommen hatte er den traditionsreichen, erstmals bereits 1122 urkundlich erwähnten, nun jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Hof Münninghoff (von Historikern als ehemaliger fränkischer Oberhof bzw. Mönchshof „curtis sorbeke” des Klosters Cappenberg angesehen), samt zugehöriger Wassermühle am Mühlenteich von der Witwe Münninghoff, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, nachdem ihr Mann viel zu früh plötzlich gestorben war. Die Trauer um ihren verstorbenen Mann war so groß, dass sie alle Bewerber um die Familienstelle auf den Hof ausschlug. Trotz aller Mühe, konnte sie den landwirtschaftlichen Betrieb nicht wirtschaftlich führen, da auch ihre Kinder noch zu klein waren, um den verstorbenen Vater zu ersetzen.
In den Tagen, als klar war, dass der ehrwürdige Münninghoff einen neuen Besitzer bekommen würde und die bisherige Familie nun die Hofstelle räumen musste, geschah das Unfassbare. Von draußen hörte Lücken Lisbeth aus dem Bauernhaus des Hofes Münninghoff lautes hysterisches Schreien einer Frau, deren Stimme sich bisweilen überschlug.
Lisbeth stürmte in das Haus und fand Frau Münninghoff in der Diele vor dem Kamin liegend. Sie wehklagte ob des Schicksals, das es nicht gut mit ihr gemeint hatte.
Die Angst vor der ungewissen Zukunft hatte sie übermannte. In ihrem Wahnzustand rief sie böse Geister und den Teufel an, verfluchte die Hofstelle und bat den Beelzebub, künftige Besitzer nicht zu schonen und ihnen das gleiche bittere Schicksal zuteilwerden zu lassen, wie sie es selbst am eigenen Leib jetzt durchleiden musste.
Lücken Liesbeth befürchtete schon, dass Frau Münninghoff den Verstand verloren hatten. Doch nach einiger Zeit hörte die Bäuerin erschöpft auf zu fluchen. Einige Tage darauf verließ Familie Münninghoff endgültig den Hof und kehrte Saerbeck den Rücken.
Die Geschichte machte im Dorf die Runde und kam auch dem neuen Besitzer zu Ohren. Dieser sah sich dadurch offensichtlich veranlasst, die Marienstatue errichten zu lassen und den Hof unter ihren Schutz zu stellen.
Doch es sollten noch viele Jahrzehnte vergehen, bis die Marienstatue endlich ihre Wirkung entfaltete.
Nach starken Vermögenseinbußen musste Carl Boner das Anwesen allerdings schon gut 10 Jahre später wieder verkaufen. Um 1900 veräußerte er zunächst nur die zum Hof gehörenden Ländereien. Doch nur drei Jahre später konnte Boner auch das verbliebene Gelände mit den Hofgebäuden samt Marienstatue nicht mehr halten. Als Käufer fand er den hiesigen Fuhrunternehmer Joseph Hövel. Doch dieser wurde mit seinem Neuerwerb nicht glücklich. Die Angst vor dem Fluch auf den Münninghoff ließ ihm keine Ruhe. Schon 1904 verkaufte er die Hofstelle weiter an den Metzger Johann Gottfried Lücke. Da die Familie Lücke, später (durch Einheirat) gen. Bausch, lange Zeit für die Pflege des Bildstocks sorgte, setzte sich dessen - auch heute noch verwendete - Bezeichnung als „Lücken Bild” durch.
1986 erwarb die Gemeinde Saerbeck das Grundstück auf der westlichen Seite der Marienstraße, einschließlich des Bildstocks. Dessen Pflege sowie der jährliche Stationsaufbau für die Fronleichnamsprozession und für die - stets 10 Tage später stattfindende - Kleine Prozession wurden in private Hand gegeben.
Die Gemeinde Saerbeck ließ das erhaltenswerte, aus 1870 stammende, letzte Haupthaus und die zugehörige Remise bis 2002 zum neuen Rathaus umbauen. Da sich die Gemeinde Saerbeck prächtig entwickelt und seit 2009 sogar Klimakommune des Landes NRW ist, ist der Fluch wohl endlich besiegt.
Weiter zu Station 10 · Hilfe vom Hellseher
Wir wenden uns in südlicher Richtung und steuern auf die Emsdettener Straße zu
Station 10 · Hilfe vom HellseherHilfe vom Hellseher

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Stellen Sie sich Saerbeck ohne die Umgehungsstraße vor. Genau hier kreuzten sich die B 219 und die B 475. Mitten im Dorf. Zwei viel befahrene Bundesstraßen, Lastwagen an Lastwagen, quer durch den Ort. Wer damals nach Saerbeck hinein oder hinaus wollte, kam durch die Mitte.
Und dann, an einem Tag im Jahr 1969, war ein Kind weg.
Ein kleines Mädchen, das noch nicht zur Schule ging. Wir nennen sie heute Biene. Ihren richtigen Namen lassen wir da, wo er hingehört — im Dorf, bei denen, die ihn kennen.
Es dauerte keine Stunde, dann wusste es jeder. Das Dorf war wie elektrisiert.
Als sich in den ersten beiden Tagen keine Spur fand, wurden Suchtrupps losgeschickt. Sie kämmten Saerbeck durch, Straße für Straße, Hof für Hof. Über dem Ort kreisten Hubschrauber. Und hier, an dieser Kreuzung, standen Kontrollen und hielten Wagen an — man dachte an das Schlimmste, an jemanden, der sie mitgenommen haben könnte.
Alles Fehlanzeige.
Zwei von denen, die suchten, waren die direkten Nachbarn: Antonia Adrian, die alle Toni nannten, und ihr Mann Josef — Jopps. Sie halfen, weil man hilft. Jopps ging einen Bach ab, Meter für Meter, bis in die Mündung zur Ems hinein. Nichts.
Am dritten Abend sagte er zu seiner Frau einen Satz, den man erst einmal sacken lassen muss:
„Ich habe von einem Hellseher in Holland gehört. Ich fahre hin und frage um Unterstützung."
Toni war skeptisch. Sie stieg trotzdem ein.
Und jetzt muss ich Ihnen kurz erklären, zu wem die beiden fuhren. Denn das war nicht irgendein Wunderdoktor hinter der Grenze.
Das war Gerard Croiset.
In Utrecht standen die Leute morgens um sechs vor seiner Tür Schlange, mit Krücken und im Rollstuhl. Croiset war in den sechziger Jahren einer der bekanntesten Hellseher Europas. Sein Spezialgebiet war die Suche nach vermissten Menschen; die niederländische Polizei zog ihn immer wieder zu Rate. 1966 holte man ihn nach Australien, als dort drei Kinder von einem Strand verschwunden waren. Und 1977, im Deutschen Herbst, saßen zwei deutsche Sonderermittler bei ihm im Wohnzimmer und fragten ihn nach Hanns Martin Schleyer.
Eines noch, und das ist die Stelle, an der es einem kalt den Rücken herunterläuft: Croiset ist als Achtjähriger selbst fast ertrunken. Er galt als besonders sicher — bei Ertrunkenen.
Von Saerbeck bis zu ihm sind es knapp zweihundert Kilometer. 1969, ohne durchgehende Autobahn, war das eine halbe Tagesreise. Jopps und Toni haben sie zweimal gemacht.
Beim ersten Mal saß ihnen ein Mann von dreißig, vierzig Jahren gegenüber — der Sohn. Sie erzählten von dem Mädchen, das nun schon den vierten Tag verschwunden sei, ohne ein Lebenszeichen.
Der Sohn konzentrierte sich. Dann sagte er:
„Ich kann sie sehen. Sie ist noch bei euch im Dorf. In einem stehenden Gewässer, dicht an einem fließenden Gewässer."
Mit diesem Satz mobilisierten die beiden das Dorf ein zweites Mal. Man suchte alles ab, was im Dorf Wasser führt, den ganzen nächsten Tag.
Wieder nichts.
Da fuhren Jopps und Toni ein zweites Mal nach Holland.
„Mehr kann ich nicht sagen", sagte der Sohn und zuckte mit den Schultern. „Aber vielleicht kann mein Vater helfen."
Es dauerte einen Moment. Dann kam ein älterer Herr herein, schon ergraut, aber mit hellwachen Augen. Sie erzählten ihre Geschichte noch einmal, der Sohn ergänzte, was er gesehen hatte. Und der alte Croiset sagte:
„Ja, ich kann sie auch sehen. Folgt dem fließenden Gewässer stromaufwärts. Es teilt sich. Nehmt den Arm, der nach kurzer Zeit gestaut ist. Dort müsst ihr nach dem stehenden Gewässer schauen."
Sie fuhren zurück nach Saerbeck und gingen los. Stromaufwärts, bis dahin, wo das Wasser sich teilt, und in den einen Arm hinein.
Nach einer Weile lag ein Ast quer im Bach. Davor hatten sich weitere Äste und Strauchwerk gefangen. Das Wasser stand.
Der Arm, der nach kurzer Zeit gestaut ist.
Sie kletterten die Böschung hoch — und standen bei einem Hof. Und da war er: der Güllebehälter, in den Boden eingelassen.
Ein stehendes Gewässer, dicht an einem fließenden Gewässer.
„Hier haben wir doch schon reingeguckt", sagte einer. „Wir haben sogar mit Stangen gestochert. Wir konnten nichts entdecken."
„Dann müssen wir es professioneller machen. Jemand muss nachsehen."
Sie gaben den Hinweis an die Polizei weiter. Und jetzt kommt die zweite Sache, über die man in Saerbeck lange gestaunt hat: Die Polizei nahm den Hinweis ernst. Auch den Teil, der aus Holland kam. Sie forderte eine Tauchereinheit an.
Kurze Zeit, nachdem der Taucher im Becken verschwunden war, kam er wieder hoch.
„Ich habe sie gesehen."
Was danach kam, ist schnell erzählt und wichtig.
Biene wurde geborgen und obduziert. Es war ein Unglück. Sie hatte aus Neugier in den Behälter geschaut. In Güllebehältern steht Schwefelwasserstoff — und der macht in hoher Konzentration nicht hustend und übel, der macht sofort bewusstlos. Fachleute nennen das den Knock-down-Effekt. Es gibt viele Unglücke nach genau diesem Muster, oft mit mehreren Toten, weil auch die Helfer zusammenbrechen.
Sie war sofort tot. Sie hat nicht gelitten. Das war kein Trost, den man den Eltern zurechtgelegt hat — das war der Befund.
Und dass man sie mit den Taststangen nicht gefunden hatte, hatte einen technischen Grund. Man konnte daneben stehen, stochern, nichts spüren — und weitergehen.
Bleibt die Frage, die diese Station hierher gebracht hat.
Über Gerard Croiset ist viel gestritten worden. Skeptiker haben nachgerechnet und gesagt: Bei tausenden Aussagen ist es kein Wunder, wenn ein paar zutreffen; überprüfbare Treffer gab es wenige, und die Trefferquote lag nicht über dem Zufall. Wer daran glaubt, sagt: Sehen Sie sich diesen einen Fall an.
Ob der alte Herr in Holland wirklich einen gestauten Bacharm bei Saerbeck gesehen hat — oder ob zwei Nachbarn, die nicht aufgeben konnten, aus zwei allgemeinen Sätzen genau die Stelle gemacht haben, an der sie ohnehin schon einmal gewesen waren: Das dürfen Sie selbst entscheiden.
In Saerbeck hat man beides erzählt.
Sicher ist nur eins. Gefunden wurde Biene, weil Jopps und Toni Adrian zweimal nach Holland gefahren sind und danach noch einmal losgegangen sind. Das waren keine Spökenkieker. Das waren die Nachbarn.
Weiter zu Station 11 · Hochzeitsknochen
Weiter geht es an der Emsdettener Straße entlang der Langhäuser die wie breite Stege in die schöne Bachaue ragen.
Station 11 · HochzeitsknochenDie Hochzeitsknochen

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In der Nachbarschaft an der Marienstraße, Ecke Emsdettener Straße, gab es damals noch den Brauch, nach einer Hochzeit nicht alles wegzuwerfen, was vom Festessen übrig geblieben war. Die Knochen des Hochzeitsbratens kamen am Tag danach in die Erde, im Garten des jungen Paares, ganz feierlich von den Nachbarn vergraben.
Das bringe Glück, sagte man. Genauer gesagt: Das Glück bleibe im Haus, solange die Knochen in der Erde lägen. Und jeweils nach 25 Jahren, zur Silber- und zur Goldhochzeit, wurden sie wieder gegen aktuelle Knochen des Hochzeitsmahls ausgetauscht, damit die Wirkung auch erhalten blieb.
Das leuchtete ein und niemand stellte das Ritual in Frage. Doch was geschehen würde, wenn einer sie vorher wieder heraufholte, sagte man nicht. Man sagte es deshalb nicht, weil man es nicht sagen wollte.
Im Frühjahr wird der Gemüsegarten bestellt. Bei Familie Patz an der Emsdettener Straße hatte man für das Umgraben einen rüstigen Rentner engagiert: Foppen Josef.
Am Morgen nach dem Frühstück machte er sich ans Werk. Er kam gut voran, bis der Spaten in der Nähe der alten Hecke auf etwas traf, das kein Stein war. Josef bückte sich und zog einen Knochen aus der Krume, gebleicht, glatt, kräftig, jedenfalls von keinem Tier, das dort von selbst gestorben wäre. Er drehte ihn zweimal in der Hand, legte ihn an den Rand des Beetes und grub weiter. Er hatte keine Ahnung, warum hier ein Knochen in der Erde lag.
Bis zum Mittag wurde er nicht fertig. Also ließ er an der Stelle, wo er später weitermachen wollte, nicht nur seinen Spaten stehen, sondern grub exakt vor dem Spatenblatt auch seine Flasche Schnaps ein, damit sie über die Mittagszeit gut gekühlt blieb. Dass er dafür ausgerechnet das Loch benutzte, aus dem er den Knochen geholt hatte, fiel ihm nicht weiter auf.
Toni Adrian hatte das ganze Schauspiel von ihrem Küchenfenster aus amüsiert beobachtet. Nur bei dem Knochen war ihr Lachen kurz stecken geblieben, weil sie an das dachte, was ihre Großmutter über solche Knochen immer gesagt hatte. Die Knochen haben magische Kräfte, gute aus der Erde, aber schlechte auf der Erde.
Kurz darauf kam auch schon ihr Mann durch die Tür. Jopp arbeitete in der Tonmöbelfabrik Liesenkötter und nutzte die Mittagspause, um zuhause zu essen. Während er aß, erzählte Toni von dem Schauspiel, dessen Zeuge sie soeben geworden war — den Spaten, die Flasche, den Knochen. Jopp lachte laut los und rief erfreut: „Das muss ich Schmids Alfons erzählen."
Alfons war Jopps Nachbar und Arbeitskollege und wie er zum Mittagessen nach Hause gefahren. Als er von der Geschichte hörte, hatte der sofort eine Idee. Er flitzte in den Garten der Familie Patz, grub die Flasche Schnaps aus, nahm sich den Knochen vom Beetrand, legte ihn in die leere Kuhle, schippte sie ordentlich zu, und die Flasche Schnaps, die nahm er mit.
Als Foppen Josef nach der Mittagspause weitermachen wollte, stach er vor dem Spatenblatt in die lockere Erde und stellte mit Entsetzen fest, dass seine Flasche Schnaps verschwunden war. An ihrer Stelle lag der Knochen.
Sofort nahm er die Ermittlungen auf.
Er recherchierte tagelang in alle Richtungen. Die ganze Nachbarschaft stellte er unter Generalverdacht und befragte alle, denen er die Freveltat zutraute.
Selbst die alten Frauen an der Marienstraße standen unter Verdacht. Doch als er sie befragen wollte, wurde er selbst mit Fragen konfrontiert: ob er denn beim Umgraben Knochen gefunden habe, und wo genau, und ob er sie wieder ordentlich zugedeckt habe. Er müsse sich davor in Acht nehmen. Die Knochen hätten magische Kräfte, gute aus der Erde, schlechte auf der Erde.
Das machte Foppen Josef nun doch nachdenklich. In den nächsten Nächten konnte er vor Grübeln kaum in den Schlaf kommen.
Nur Schmids Alfons und Adrians Jopp gerieten nicht in sein Visier. Schließlich arbeiteten beide ja zur Tatzeit am Rheinsalm. So verliefen seine Nachforschungen trotz intensivster Bemühungen ins Leere.
Am folgenden Sonntag traf man sich in der Nachbarschaft. Als Schnaps eingeschenkt wurde, ließ Alfons die Bemerkung fallen, dass er froh sei, dass der Alkohol heute nicht muffig nach Erde schmecke. Da auch Jopp grinste, wurde Foppen Josef schlagartig klar, worauf die beiden anspielten, und dachte: „Wenn die Nachbarn einen Foppen foppen, dann muss er sie in eine Falle locken."
Einige Tage später bekamen Alfons und Jopp offiziell Post von der Rechtsanwaltskanzlei Deitmaring. In dem Brief wurden sie zur Anhörung bei Familie Foppen einbestellt.
Als die beiden mit schlechtem Gewissen zum Termin beim Nachbarn erschienen, wurden sie in die Küche gebeten, wo allerdings kein Advokat wartete, sondern eine Flasche Schnaps und Josef, der Spaß hatte, dass ihm seine Freunde mit dem fingierten Schreiben auf den Leim gegangen waren.
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Wir orientieren uns am Kirchturm. Das nächste Ziel ist der Kirchplatz.
Station 12 · Die SchulvisiteDie Schulvisite

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Wir stehen hier auf dem Kirchplatz. Unter den Pflastersteinen, auf denen wir stehen, ruhen noch heute unsere Ahnen. Von ca. 800 nach Christus wurde hier in weihter Erde rund um die Kirche die Toten von Saerbeck beerdigt. Und das über 1000 Jahre lang. Übrigens: Wo waren die begehrtesten Plätze? Na klar, natürlich in der Kirche vor dem Altar, da war man auch in Tod dem Herrgott schon mal näher.
Nicht nur heute, auch früher schon wurden der Lernerfolg in der Schule regelmäßig überprüft. Erhalten geblieben ist ein solcher Ergebnisprotokoll einer solchen Visite, das mittlerweile über 200 Jahre alt ist. In diesem Bericht ist zu lesen: Es findet ein regelmäßiger Schulunterricht statt, sogar im Sommer, die Lehrer bringen den den Kindern den Katechismus und auch das Lesen, das Schreiben und das Rechnen bei. Doch was gar nicht geht, dass ist, dass die Jungs sich in der großen Pause mit den Gebeinen ihrer Vorfahren abwerfen. Hier ist in Saarbeck bringend Handlungsbedarf.
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Wir gehen nun zum Haus Dyckhoff
Station 13 · Das alte BeinhausDas alte Beinhaus

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Hier, wo heute das Haus des ersten Bürgermeisters von Saerbeck steht, stand zuvor das alte Beinhaus. Es war ein kleines aus Sandstein gemauertes Gebäude.
Auf der Giebelseite, die zur Kirche gewandt war, hatte es eine hölzerne Tür. Die Tür hatte im oberen Teil ein 4 eckiges Loch, das aussah wie ein Fenster ohne Glas, aber vergittert mit langen vertikalen Eisenstangen.
Der Türrahmen war ebenfalls aus Sandstein. Der gebogene Deckstein hatte die lateinische Inschrift: Ich stehe hier vor Gott, Pastor Wibbert 1772.
Da die Saerbecker aus alter Tradition auch noch im 18. Jahrhundert nicht Gräber aushoben, sondern Grabhügel errichteten, erblickten nicht wenige Knochen der Ahnen durch Erosion aufgrund von Regen und Wind wieder das Tageslicht. Diese wurden dann eingesammelt und in das dafür errichtete Beinhaus beigesetzt.
Das Beinhaus konnte abgerissen und der Bürgermeister dort sein neues Haus bauen, nachdem dieser die Saerbecker davon überzeugt hatte, ihre Toten besser in einem Loch statt in einem Hügel beizusetzen.
Der Türeingang des Beinhauses überdauerte die Zeit. Er ziert seither den Kartoffelbunker in Pastors Allee.
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Wir gehen nun zum Teigelkamp
Station 14 · GrenzsteinfrevelDer Grenzsteinfrevel

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Früher kam es öfters vor, dass Menschen sich dadurch Reichtum zu erwerben versuchten, indem sie die Grenzsteine an ihren Äckern zu ihren Gunsten versetzten. Die folgende Sage sollte dazu beitragen, die Leute von diesem Frevel abzuschrecken.
Vor langer Zeit lebte ein Bauer, der sich seinen Reichtum nur dadurch erwarb, indem er den anderen Leuten die Grenzsteine versetzte. Als er starb, konnte er keine Ruhe im Grab finden. Er musste mit Steinen beladen umhergehen und alles wieder an seinen Platz bringen. Oft sah man ihn an der Ems und hörte ihn rufen: „Wao sack se laoten?“
Nach vielen Jahren endlich kam er den Mühlenbach hoch bis ins Dorf und begegnete dort einem Pastor, der ihn schon von seinem Garten aus beobachtet hatte. Der gab ihm einen goldenen Löffel und einen Eimer, der keinen Boden hatte. „Damit musst du die Ems ausschöpfen und darfst nicht eher zurückkommen, bis du damit fertig bist!“, sagte er ihm.
Alte Leute wollen ihn noch an der Ems bei der Arbeit gesehen haben.
Zum Abschluss · Heimathaus
Von hier ist das Ziel nicht mehr weit. Es ist das Heimathaus. (Heimathaus, Grevener Straße 8 – dort Abschluss in der Guten Stube.)