Bewegtes Leben
Jagen, Sammeln, Fischen
120.000 – 8.000 v. Chr.Eine baumlose Tundra, eisige Winde – und durch diese Landschaft ziehen Mammutherden, Rentiere und kleine Gruppen von Jägern und Sammlern. Die ältesten Zeugen der Saerbecker Geschichte wiegen viele Kilo und sind Zehntausende Jahre alt.
Die Welt
Wie die Menschen damals lebtenLänger als 150.000 Jahre lebten Menschen im heutigen Westfalen als Jäger und Sammler – Neandertaler und später der Homo sapiens. Extreme Klimaschwankungen prägten diese Zeit: Jahrtausendelange Kalt- und Warmphasen wechselten sich ab, und wer überleben wollte, musste sich anpassen.
Die letzte große Kältezeit, die Weichsel-Eiszeit (etwa 80.000 bis 8.000 v. Chr.), ließ die nördlichen Gletscher bis an die Elbe vorrücken. Das Münsterland lag in einer vegetationsarmen Tundra aus Moosen, Flechten, Gräsern und Zwergsträuchern. Hier lebten kälteangepasste Tiere: Mammut, Ren, Moschusochse, Wollhaarnashorn und Wildpferd.
Die Menschen durchstreiften diese Landschaft in kleinen Gruppen. Sie beherrschten das Feuer, fertigten Geräte aus Holz, Knochen und Stein – vor allem aus Feuerstein, dem wichtigsten Rohstoff der Zeit – und folgten den wandernden Tierherden. Feste Siedlungen gab es nicht: Die Wanderungen des Jagdwildes und das wechselnde Pflanzenangebot zwangen zu einem ständigen Wechsel der Wohn- und Jagdplätze. Übernachtet wurde in Jagdlagern.
Der Geist
Was wir wissen – und was noch im Boden liegtVom Denken und Glauben der Eiszeitjäger zeugen anderswo Höhlenbilder und Schnitzereien – aus unserem Raum kennen wir solche Zeugnisse nicht. Hier erzählt der Boden eine andere, spannende Geschichte: In Saerbeck wurden zwar reichlich Knochen des eiszeitlichen Jagdwildes gefunden, doch der direkte Nachweis der Jäger selbst – etwa Faustkeile oder Schlachtspuren an den Knochen – steht noch aus.
Ein offenes Rätsel: Das Mammut ist da, der Mensch fehlt noch. Streiften die Jäger nur durch, ohne Spuren zu hinterlassen? Oder liegt der Beweis ihrer Anwesenheit noch unentdeckt im Saerbecker Sand? Genau solche Fragen halten die Archäologie lebendig – vielleicht liefert die nächste Baustelle die Antwort.
Die Funde
Was der Saerbecker Boden bewahrt hatAlle Stücke stammen vom Mammut und sind im Original in der Dauerausstellung zu sehen. Ein Klick aufs Foto öffnet die Großansicht; die nummerierten Kreise führen zum Fundpunkt auf der Karte.
Hinterer Unterschenkelknochen
Der imposanteste Zeuge der Eiszeit in unserer Sammlung: ein 30.000 bis 50.000 Jahre alter Mammutknochen. Er kam beim sogenannten Emsdurchstich ans Licht, als die Ems in den Jahren 1936 bis 1938 begradigt wurde – ein Jahrhundertfund aus dem Flusssand.
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Rückenwirbelknochen
Schon ein einzelner Wirbel zeigt die Dimensionen des Tieres: Der lange Dornfortsatz nach hinten diente als Ansatz für die gewaltige Rücken- und Nackenmuskulatur, die den schweren Kopf mit den Stoßzähnen trug. Gefunden südlich des Ortes.
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Backenzähne
Die geriffelte Kaufläche verrät den Spezialisten: Mit diesen Lamellenzähnen zermahlte das Mammut täglich riesige Mengen harter Tundragräser. Die Zähne nutzten sich dabei so stark ab, dass im Laufe eines Mammutlebens mehrfach neue nachschoben – ein eingebautes Ersatzteillager der Natur.
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Bruchstücke eines Schenkelknochens
Nicht jeder Fund ist vollständig – und gerade das ist lehrreich: An den Bruchstücken lässt sich die schwammartige Innenstruktur des Knochens erkennen, die das tonnenschwere Tier leicht genug zum Laufen machte.
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Oberschenkelknochen, unteres Gelenk
Die glatt polierte Gelenkkugel gehörte zu einem Kniegelenk, das mehrere Tonnen Körpergewicht federn musste. Wer sie in der Hand wiegt, begreift, warum das Mammut das größte Landtier der Eiszeit-Tundra war.
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Stoßzahn-Bruchstücke
Elfenbein aus Saerbeck: Die Bruchstücke zeigen die typische Schichtstruktur der Stoßzähne, die beim Mammut zu mächtigen, geschwungenen Bögen auswuchsen. Die Tiere nutzten sie, um Schnee beiseitezuschieben und an die Gräser darunter zu gelangen – und im Kampf der Bullen untereinander.
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